Guter Geist
Was leisten Ghostwriter?
von Dr. Petra Begemann
Glaubt man Roman Polanski, leben Ghostwriter gefährlich – etwa, wenn sie die Memoiren eines
Politikers mit dunkler Vergangenheit verfassen und dabei ein bisschen zu tief graben. Jenseits der
Filmwelt ist Ghostwriting weniger risikoreich. Topmanager, Leistungssportler oder Politiker: Wer
etwas zu sagen, aber keine Zeit zum Schreiben hat, arbeitet heute bei Buchpublikationen mit
einem Textprofi zusammen. Das gilt auch für Speaker und Trainer, deren knappes Zeitbudget es
kaum erlaubt, sich längere Zeit aus ihrem Tagesgeschäft auszuklinken. Für viele ist ein
Ghostwriter, der ihre Ideen kongenial umsetzt, die ideale Lösung.
Selbst schreiben oder schreiben lassen?
Das Manuskript selbst schreiben oder einen Ghostwriter engagieren – für beides gibt es gute
Argumente. Wenn Sie selbst aktiv werden, befassen Sie sich noch einmal intensiv mit Ihrem
Thema. Wo im Vortrag die Anekdote genügt, im Seminar die praktische Übung und einige kurze
Infos, verlangt ein Buch mehr Herleitung und Hintergründe. Vortragsfolien und Seminar-
unterlagen bilden dabei gutes Ausgangsmaterial – aber auch nicht mehr. Vorträge und
Trainings werden daher von Ihren Recherchen und Ausarbeitungen zum Buch profitieren. Auf
der anderen Seite kostet das Schreiben eines Buches, die Suche nach der treffenden Formu-
lierung und die Strukturierung der Kapitel und Subkapitel mehr Zeit, als die meisten Speaker
und Berater investieren können und wollen. Routinierte Schreiber kalkulieren etwa 1,5 Stunden
Aufwand pro Seite, Verlage erwarten im Schnitt 200 bis 250 Seiten. Ein Buch schreibt sich also
nicht mal eben „nebenbei“.
Wie arbeitet ein Ghostwriter?
Ein Ghostwriter (oder eine Ghostwriterin natürlich) bringt Ihre Ideen schlüssig und ansprech-
end zu Papier – im Idealfall so, dass Sie am Ende sagen: „Genau so hätte ich das auch ge-
schrieben!“ Anders als der Ex-Premierminister in Roman Polanskis Thriller müssen Sie Ihren
Textprofi dafür nicht wochenlang in Ihr Sommerhaus einladen. Im Normalfall genügen ein
längeres Meeting zu Projektbeginn – etwa ein gemeinsamer Tagesworkshop – und regelmäßige
kürzere Abstimmungen per Telefon oder Email. Ein professioneller „Ghost“ ist geübt darin,
rasch in Inhalte einzusteigen und genau zu verstehen, was Sie wollen. Er wird Ihre Vorträge
und Seminare besuchen, um relevante Inhalte, aber auch Sie selbst, Ihren persönlichen Stil
und Ihren Humor kennenzulernen. Er wird Ihr Material (wie PowerPoints, Kurztexte oder Ideen-
skizzen) dankbar annehmen, sich aber nicht darauf beschränken: Das Recherchieren von
Hintergrundinformationen gehört ebenso zu seinem Job wie die Konkretisierung grob
skizzierter Passagen. Echte Profis arbeiten sehr selbstständig, wenn ihr Auftraggeber dies
wünscht, behalten dabei aber stets dessen Kernanliegen und persönliches Profil im Auge. Wie
stark Sie sich im Einzelfall entlasten und wie viel Sie konkret vorgeben möchten, entscheiden
Sie als Auftraggeber.
Der Ghostwriter als Lotse im Buchmarkt
Bei skandalträchtigen Ex-Premiers, Superstar-Suchern oder Torwart- „Titanen“ stehen Buch-
verlage Schlange. Normalsterbliche müssen erst einmal Lektorat und dann Marketing sowie
Geschäftsleitung eines Verlages überzeugen, dass Ihr Buch ein Gewinn fürs Verlagsprogramm
ist. Das ist nicht einfach, denn Verlagen flattern Tag für Tag viele Angebote ins Haus. Es wird
aber sehr viel einfacher, wenn man die Spielregeln der Buchbranche kennt und geschickt
anwendet. Professionelle Ghostwriter kennen den Buchmarkt und unterstützen Sie auch bei
Exposéentwicklung und Verlagsakquisition professionell. Sie sind mit den Planungszyklen der
Buchverlage vertraut und wissen, wie man ein Thema so präsentiert, dass Lektoren zugreifen.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, einen Ghost zu beauftragen und erst noch einen Verlag
finden müssen, nehmen Sie daher am besten sehr früh Kontakt auf. Verlagsverträge für Sach-
bücher und Ratgeber werden auf der Basis von kurzen Exposés und Probeseiten geschlossen,
nicht erst, wenn das ganze Manuskript fertig ist.
Ein gutes Exposé enthält genau die Argumente, nach denen Lektoren suchen, ein überzeu-
gendes Alleinstellungsmerkmal, eine fundierte Abgrenzung von der Konkurrenz, ein Autoren-
profil, das die Marketingabteilung aufhorchen lässt.
Wirtschaftsverlage haben im Allgemeinen einen Programmvorlauf von circa 12 bis 18 Monaten,
das heißt: Was zur Frankfurter Buchmesse im Oktober auf den Markt kommt, wurde spätestens
im Frühsommer des Vorjahres geplant. Mancher Speaker oder Trainer zieht daher eine Eigen-
produktion vor, um die Dinge ein wenig zu beschleunigen. Dieser Zeitvorteil wird allerdings mit
gravierenden Nachteilen erkauft: Sie müssen selbst für Vertrieb und Pressearbeit sorgen, und
einer Eigenproduktion fehlt in den Augen der Zeitungsredaktionen und auch mancher Kunden
das Qualitätssiegel eines anerkannten Verlages. Können Sie sich an eine Buchbesprechung
eines Bandes erinnern, der im Selbstverlag erschienen ist? Mit einer Eigenproduktion verschen-
ken Sie also den PR-Mehrwert, den ein klassischer Buchverlag bietet.
Was kostet ein Ghostwriting?
Wie viel Sie in Ihr Buch investieren, hängt vom Auftragsvolumen ab (Thema, Manuskriptum-
fang, vorhandenes Material). Qualität hat hier wie überall ihren Preis. Gehen Sie davon aus,
dass ein guter Ghostwriter zwei bis drei Monate konzentriert an Ihrem Manuskript arbeitet und
dafür angemessen honoriert werden will. Die Amortisierung dieser Betriebsaus-gabe erfolgt
einerseits durch eine Zunahme der Buchungen, andererseits durch höhere Expertenhonorare,
die in Folge eines überzeugenden Buches durchsetzbar sind. Voraussetzung ist natürlich eine
geschickte Themenwahl, die auf Ihr Angebotsportfolio und Speakerprofil abgestimmt ist. Aber
auch darauf wird ein wirklich guter Ghostwriter ein Auge haben und Sie kompetent beraten.
Denkbar sind dabei beide Wege: Ein zündender Vortrag (ein Seminar, eine Beratungsleistung)
verkauft sich durch ein Buch noch erfolgreicher – oder umgekehrt: Mit einem Buch
positionieren Sie ein neues Thema am Vortragsmarkt.
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Wie können Sie entscheiden, ob die Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter
oder einer Ghostwriterin interessant für Sie ist? Fragen Sie sich am besten:
• Bin ich bereit, 40 bis 50 Arbeitstage in ein Buchmanuskript zu investieren?
• Lässt mir mein Kerngeschäft bis zum Abgabetermin beim Verlag so viel Zeit?
• Möchte ich mein Kernthema noch einmal neu und umfassend aufarbeiten?
• Schreibe ich gern (etwa Artikel, werbliche Texte in eigener Sache)?
• Arbeite ich gerne über längere Zeit zurückgezogen am Laptop/PC?
• Können andere Aufgaben (wie Produkt-entwicklung, Akquisition für mein Kerngeschäft)
vorübergehend etwas zurückstehen?
Je mehr dieser Fragen Sie mit „Ja“ beantworten, desto mehr spricht dafür, selbst zu
schreiben. Je häufiger Sie zögern, desto eher sollten Sie sich nach professioneller
Unterstützung umschauen.
Wie finden Sie einen guten Ghostwriter?
„Ghostwriter“ ist kein klassischer Ausbildungsberuf, und so tummeln sich in diesem Feld
viele Anbieter sehr unterschiedlicher Qualität. Damit Sie wirksam entlastet werden und ein
wirklich guter Text entsteht, sollten Sie hohe Ansprüche an Ihren Dienstleister stellen.
Schließlich ist es Ihr Name, der viele Jahre lang mit Ihrem Buch identifiziert wird.
Ein weniger gelungenes Seminar kann man schon morgen besser halten; ein gedrucktes
Buch dagegen hat erst einmal Bestand.
Ein Ghostwriter, der lustlos Inhalte zusammenklaubt oder sich gar großzügig anderswo
bedient, erweist Ihnen einen Bärendienst. Am besten verlassen Sie sich deshalb auf
qualifizierte Empfehlungen von Speaker- und Trainer-Kollegen oder auch von Verlags-
lektoren, die mit Ghostwritern zusammenarbeiten. Außerdem können Sie folgende
Qualitätsmerkmale heranziehen:
• Ein guter Ghostwriter/eine gute Ghostwriterin hat bereits eigene Bücher publiziert und
kann Ihnen weitere Referenzprojekte vorlegen;
• Er/Sie verfügt über Berufspraxis im Verlagswesen oder im Journalismus;
• Er/Sie bietet nicht „alles“, sondern ist auf bestimmte Themenbereiche spezialisiert;
• Er/Sie kennt das Verlagsgeschäft und hat bereits mit einschlägigen Verlagen
zusammengearbeitet;
• Er/Sie verfügt über beste Referenzen unter Ihren Kollegen und in der Verlagswelt;
• Er/Sie stellt sich auf Sie, Ihre Person, Ihren Stil ein;
• Er/Sie beherrscht unterschiedliche Textsorten und Stilebenen;
• Er/Sie überzeugt Sie in einem Vorgespräch (die „Chemie“ stimmt);
• Er/Sie kalkuliert Termine und Kosten solide, kann also plausibel darlegen, wie er/sie Ihr
Thema und die Anforderungen des Verlages einschätzt und was warum wie lange dauert.
Dr. Petra Begemann
(Bücher für Wirtschaft + Management, Ghostwriting) ist Autorin
zahlreicher Bücher, langjährige Verlagslektorin und Ghostwriterin.
Sie schreibt vorwiegend zu Marketing, Führung und Kommunikation,
berät und coacht Autoren und unterstützt sie bei der Verlagssuche.
www.petrabegemann.de